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Datenschutz · Rollen · Datenflüsse

Datenschutz-Rollen- und Datenflusskonzept

Virtueller Bürger-Schreibtisch & Schuldnerberatung. 21 Abschnitte und 12 Matrixzeilen.

Datenschutzkonzept

Version 1.0 · Stand 09.10.2026

Das Konzept beschreibt Rollen und Datenflüsse. Die konkrete Verantwortlichkeit und Rechtsgrundlage bleibt je Verarbeitung und Pilotmodell zu bestimmen.

Abschnitt 1

Grundprinzip

Der Virtuelle Bürger-Schreibtisch ist nicht lediglich ein von einer Kommune geführtes Fachverfahren.

Aus der bisherigen Architektur ergibt sich vielmehr ein eigenständiger persönlicher Arbeitsbereich des Bürgers, aus dem dieser gezielt einzelne Vorgänge für weitere Beteiligte freigeben kann.

Deshalb darf datenschutzrechtlich nicht pauschal angenommen werden, dass eine Kommune oder Beratungsstelle für sämtliche innerhalb des Bürger-Schreibtischs stattfindenden Verarbeitungen Verantwortlicher ist.

Die datenschutzrechtliche Rolle ist für den jeweiligen Verarbeitungsvorgang zu bestimmen.

Offene RollenprüfungROLLEN JE VERARBEITUNGSVORGANG UND PILOTMODELL ENDGÜLTIG FESTLEGEN
Abschnitt 2

Die Beteiligten

Für den vorgesehenen Betrieb werden zunächst fünf Akteure unterschieden:

  • A – Bürger: Nutzer und regelmäßig betroffene Person
  • B – Sentinel / Betreiber: Betreiber und technischer Anbieter des Virtuellen Bürger-Schreibtischs
  • C – Schuldnerberatungsstelle: kommunale oder freie Beratungsstelle
  • D – Externe Kommunikationspartner: beispielsweise Behörden, Gerichte, Gläubiger oder andere Empfänger
  • E – Technische Dienstleister: insbesondere Hosting und – sofern für eine konkrete Funktion aktiviert – weitere externe Dienste

Diese Rollen sind nicht für sämtliche Verarbeitungsvorgänge identisch.

Abschnitt 3

Datenflussübersicht

Der zentrale Ablauf lässt sich als kontrollierte Kette darstellen. Entscheidend ist: Es gibt keinen automatischen Durchgriff von der Beratungsstelle in den Bürger-Schreibtisch.

BürgerAnmeldungPersönlicher Bürger-SchreibtischUpload / digitaler EingangDokumentenspeichertechnische VerarbeitungOCR / Metadaten / Aktenzeichen / ZuordnungVorgang + Verfahrenslinieoptional und gesondert aktiviert: KI-AuswertungBürger prüft / korrigiert / ergänztausdrückliche VorgangsfreigabeSchuldnerberatungBeratung / Bearbeitunggegebenenfalls Export / Schreiben / eBO / andere Kommunikation
Abschnitt 4

Bürgerkonto

Der Bürger legt ein persönliches Konto an. Darin können unter anderem gespeichert werden:

  • Kontodaten
  • Dokumente
  • Vorgänge
  • Fristen
  • Verfahrenslinien
  • persönliche Notizen
  • Kommunikationsinformationen
  • Freigaben

Der Bürger bestimmt grundsätzlich selbst, welche Inhalte er dort einstellt.

Für diesen allgemeinen persönlichen Schreibtisch spricht vieles dafür, dass Sentinel nicht einfach Auftragsverarbeiter einer später hinzukommenden Kommune ist.

Die genaue Rolle des Betreibers und die einschlägigen Rechtsgrundlagen müssen anhand des konkreten Nutzungs- und Vertragsmodells festgelegt und in den Datenschutzhinweisen beschrieben werden.

Offene RollenprüfungROLLE UND RECHTSGRUNDLAGEN FÜR DAS KONKRETE NUTZUNGS-/VERTRAGSMODELL FESTLEGEN
Abschnitt 5

Dokumentenupload

Datenfluss: Bürger → Sentinel-Dokumentenspeicher.

Das Dokument wird dem jeweiligen Bürgerkonto und gegebenenfalls einem Vorgang zugeordnet.

Es findet dadurch noch keine Freigabe an eine Beratungsstelle statt.

Das Hochladen eines Dokuments in den persönlichen Bürger-Schreibtisch stellt keine Übermittlung dieses Dokuments an eine Beratungsstelle, Behörde oder sonstige dritte Stelle dar.

Abschnitt 6

OCR und lokale Dokumentenverarbeitung

Nach der bisherigen technischen Dokumentation können Dokumente lokal beziehungsweise innerhalb der Sentinel-Infrastruktur verarbeitet werden.

Hierzu gehören beispielsweise: PDF/Bild → OCR → Text → Metadaten → Aktenzeichen → mögliche Dokumentart → Vorgangszuordnung.

Solange hierfür kein externer Dienst verwendet wird, verlässt das Dokument für diesen Verarbeitungsschritt nicht allein aufgrund der OCR die Sentinel-Infrastruktur.

Abschnitt 7

Verfahrenslinie

Aus erkannten Dokumentinformationen können Vorgänge und Verfahrenslinien aufgebaut beziehungsweise fortgeführt werden. Dabei können insbesondere verarbeitet werden:

  • Dokumentdatum
  • Absender
  • Empfänger
  • Aktenzeichen
  • Dokumentart
  • Beteiligte
  • erkannte Zusammenhänge
  • Fristen
  • chronologische Beziehungen

Die Verfahrenslinie bleibt Bestandteil des Bürgerkontos.

Eine Beratungsfreigabe des Bürgers muss deshalb nicht automatisch dessen gesamte Verfahrenshistorie umfassen.

Abschnitt 8

Bürgerkorrektur

Automatisch extrahierte Informationen können vom Bürger korrigiert oder ergänzt werden.

Technisch und datenschutzrechtlich werden drei Ebenen unterschieden: Originaldokument → technische Extraktion → vom Bürger bestätigte/korrigierte Information.

Dadurch bleibt nachvollziehbar, woher eine Information stammt.

Abschnitt 9

KI-Auswertung

Die bisherige Architektur sieht vor, dass KI für Bürgerkonten standardmäßig deaktiviert und kontospezifisch aktiviert werden kann.

Dokument hochladen bedeutet damit nicht automatisch externe KI-Verarbeitung.

Vor einer produktiven Veröffentlichung wird für jede KI-Funktion eine Datenflussbeschreibung erstellt:

  • Funktion
  • Anbieter
  • übermittelte Daten
  • Zweck
  • Speicherbedingungen
  • Verarbeitungsort
  • Rechtsgrundlage
  • Löschung

Erst danach kann korrekt beschrieben werden, welche Daten tatsächlich die Sentinel-Infrastruktur verlassen.

Offene RollenprüfungPRODUKTIVE EXTERNE KI-DATENFLÜSSE JE FUNKTION VOLLSTÄNDIG DOKUMENTIEREN
Abschnitt 10

Private Bürgernotizen

Private Notizen besitzen eine besonders klare Zweckgrenze.

Sie bleiben im persönlichen Bürgerbereich.

Eine spätere Freigabe eines Schuldnerberatungsvorgangs umfasst sie nicht.

Persönlicher Arbeitsraum und Beratungsraum bleiben getrennt.

Abschnitt 11

Beginn der Schuldnerberatung

Der Bürger entscheidet: Diesen konkreten Vorgang möchte ich dieser Beratungsstelle zugänglich machen.

Die Beratungsstelle erhält nicht den gesamten Sentinel-Account.

Die Freigabe folgt dem Modell: Bürger A → Vorgang X → Beratungsstelle Y → definierte Rechte.

Abschnitt 12

Freigabeumfang

Eine Freigabe kann insbesondere umfassen:

  • Forderungen
  • Gläubigerinformationen
  • ausgewählte Dokumente
  • Haushalt
  • Einnahmen/Ausgaben
  • Pfändungsinformationen
  • P-Konto-Angaben
  • Vergleichsvorbereitung
  • Insolvenzvorbereitungsinformationen

Nicht automatisch enthalten sind andere Bürgerangelegenheiten, andere Verfahren, private Notizen, nicht freigegebene Dokumente und interne Sicherheitsinformationen.

Abschnitt 13

Rolle der Beratungsstelle

Sobald eine Beratungsstelle personenbezogene Informationen für die eigene Durchführung der Schuldnerberatung verarbeitet, ist sorgfältig zu unterscheiden, ob sie für diese fachliche Verarbeitung selbst Verantwortlicher ist. Das ist bei einer klassischen Beratungsleistung naheliegend.

Sentinel könnte hinsichtlich des von der Beratungsstelle verwendeten technischen Arbeitsbereichs als Auftragsverarbeiter tätig werden, soweit Sentinel Daten ausschließlich für die Beratungsstelle verarbeitet.

Mögliche Struktur: Bürger ↔ Sentinel als persönlicher digitaler Schreibtisch; Bürger → Beratungsstelle als gezielte Offenlegung eines Vorgangs; Beratungsstelle in eigener fachlicher Verantwortung; Sentinel → Beratungsstelle als technische Bereitstellung des geschützten Beratungsarbeitsbereichs.

Offene RollenprüfungJE PILOTVERTRAG ENDGÜLTIG FESTLEGEN
Abschnitt 14

Persönlicher Berater

Nach der Freigabe an eine Institution kann ein konkreter Berater dem Vorgang zugeordnet werden.

Der vorgesehene Einmalcode funktioniert nicht als alleinige Authentisierung.

Der Berater muss bereits angemeldet, der richtigen Institution zugeordnet und entsprechend berechtigt sein.

Erst anschließend kann der kurzlebige Code für die vorgesehene Zuordnung verwendet werden.

Abschnitt 15

Widerruf

Der Bürger kann eine Freigabe zurückziehen.

Der weitere Zugriff über Sentinel wird dann unmittelbar gesperrt.

Ein Widerruf verhindert zukünftige Zugriffe über die Plattform. Daten, die eine Beratungsstelle zuvor rechtmäßig heruntergeladen oder in eigene Systeme übernommen hat, können dadurch nicht technisch aus diesen Fremdsystemen zurückgerufen werden.

Für diese Kopien gelten anschließend die Datenschutz- und Löschpflichten der Beratungsstelle.

Abschnitt 16

Beratungsmappe

Der Bürger beziehungsweise die berechtigte Beratungsstelle kann eine strukturierte Beratungsmappe erhalten.

Sie kann Dokumente, Gläubigerliste, strukturierte Daten, Erläuterungen und Integritätsinformationen enthalten.

Private Bürgernotizen und unnötige technische Interna werden nicht Bestandteil des Exports.

Damit lässt sich konkret dokumentieren, welche Daten Sentinel beim Export verlassen.

Abschnitt 17

Kommunikation

Bei einem bewussten Versand entsteht ein neuer Datenfluss: Bürger/Berater → Sentinel Communication → ausgewähltes Dokument → ausgewählter Empfänger → Mail/eBO/anderer Kanal.

Das Speichern oder Erstellen eines Schreibens löst dagegen keinen Versand aus.

Diese Trennung ist datenschutzrechtlich und technisch wesentlich.

Abschnitt 18

eBO / SAFE / Zertifikat

Bei einer eBO-Kommunikation können zusätzliche Identitäts- und Kommunikationsdaten verarbeitet werden, beispielsweise SAFE-ID, Zertifikatsinformationen, Empfänger, Versandmetadaten und Zustellinformationen.

Zertifikate und zugehörige Geheimnisse erhalten deshalb einen eigenen Schutzbereich.

Der Controller soll keine P12-Datei beziehungsweise das zugehörige Passwort benötigen.

Abschnitt 19

Sentinel Controller

Der Controller soll insbesondere technische und betriebliche Informationen verwalten: Instanz → Produkt → Konfiguration → Entitlements → Betriebszustand → gegebenenfalls Abrechnung.

Er soll nicht zum zentralen Sammelpunkt sämtlicher Bürgerdokumente werden.

Architekturprinzip: Zentrale Betriebssteuerung und dezentrale Fachinhalte werden soweit technisch möglich getrennt.

Abschnitt 20

Hosting

Für den gegenwärtigen Bürger-Schreibtisch ergibt sich der Datenweg: Bürger → TLS → Hetzner-Infrastruktur Nürnberg → Reverse Proxy → Bürger-Schreibtisch :8104 → kontobezogene Fach- und Dokumentdaten.

Sentinel System und der Bürger-Schreibtisch teilen sich derzeit eine Serverinstanz, sind jedoch unterschiedliche Anwendungsdienste.

Für die datenschutzrechtliche Bewertung ist nicht lediglich der Server ausschlaggebend, sondern insbesondere die tatsächliche logische Zugriffstrennung.

Abschnitt 21

Rollenmatrix

Die folgende Matrix ist eine Arbeitsgrundlage. Die Rolle von Sentinel ist in den gekennzeichneten Verarbeitungsschritten vor Pilot- beziehungsweise Vertragsschluss endgültig festzulegen.

VerarbeitungBürgerSentinelBeratung
Persönliches KontoBetroffener / NutzerRolle endgültig festzulegenkein Zugriff
DokumentensafeNutzerBetreiber / Verarbeitungkein Zugriff
OCRinitiiert Verarbeitungtechnische Verarbeitungkein Zugriff
VerfahrenslinieNutzertechnische Verarbeitungnur wenn freigegeben
Private NotizenNutzertechnische Speicherungkein Zugriff
KIoptional aktivierttechnische Vermittlung / Verarbeitunggrundsätzlich kein Zugriff
SchuldenvorgangNutzerPlattformnach Freigabe
FachberatungBetroffenertechnische Plattformregelmäßig eigene fachliche Verantwortung
BeraterworkspaceBetroffenerpotenziell AuftragsverarbeiterVerantwortlicher
Exportveranlasst / berechtigttechnische ErstellungEmpfänger
eBOveranlasst / berechtigttechnischer Versandabhängig vom Absender
HostingBetroffenerBetreiberkein unmittelbarer Hostingzugriff
Offene RollenprüfungARBEITSMATRIX / keine pauschale Rollenfestlegung für sämtliche Verarbeitungen
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